Diktate im Unterricht

Diktate sind für Schüler/innen wenig attraktiv, schon gar nicht als Überprüfung ihrer Rechtschreibfähigkeit. Diese Form der Lernkontrolle ist häufig fehlerorientiert und wird im Unterricht oft so vorbereitet, dass die Kinder sich auf ein Rechtschreibphänomen konzentrieren und  an anderer Stelle massenhaft Fehler machen. Für Schüler/innen beinhalten Diktate deswegen nicht selten ein hohes Angstpotenzial. In den schriftlichen Prüfungen wird nicht nur das Rechtschreibwissen, sondern auch das Arbeitstempo, die Konzentration, die Stressresistenz und die auditive Wahrnehmungsfähigkeit mitbewertet.
Als schriftliche Arbeit, wie das Diktat vor Jahren noch praktiziert wurde, ist es deshalb auch abgeschafft. Gut so! Nichtsdestotrotz sollten es nicht ganz aus dem Unterricht verschwinden. Das reine Trainieren mit Strategien, Regeln und Fallübungen ist einerseits wichtig. Andererseits ist das Üben mit Ganztexten aus dem direkten Lebensumfeld von  Kindern auch sinnvoll, weil sie durch diese Texte schon bekanntes Rechtschreibwissen intuitiv entdecken und der aktuelle Wortschatz dennoch rechtschreiblich gesichert wird. Noch besser ist, wenn Kinder ihre Diktattexte selbst aus dem Unterricht oder ihrer Erlebniswelt verfassen! Mit Übungen fern von jedem aktuellen Unterricht und Geschehen haben wir keine guten Erfahrungen gemacht, es sei denn die Aufgaben sind am individuellen Förderschwerpunkt des /der Schüler/in gebunden.. Die Übungen in den Schulbüchern sind zwar Themen zugeordnet, aber reichen vom Umfang häufig nicht aus, besonders für Schüler/innen, die noch mehr Hilfe brauchen.

Wir stellen Ihnen an dieser Stelle verschiedene Möglichkeiten vor, wie Schüler/innen Spaß am Üben mit Diktaten finden werden:


1. Schleichdiktat/Laufdiktat

In der Klasse hängt oder liegt der Diktattext für alle zugänglich aus. Schüler/innen gehen zum Text, merken sich nach und nach die Sätze, gehen auf ihren Platz zurück, schreiben konzentriert das Gemerkte ins Heft, gehen wieder zum Text, merken sich weitere Teile der Sätze und arbeiten so weiter, bis der gesamte Text im Heft steht.


2. Lupendiktat

Schüler/innen lieben Lupendiktate. Alleine der Einsatz der Lupe wirkt schon motivierend. Die Schrift ist so klein auf der Arbeitskarte, dass der Text nur mit einer Lupe zu entziffern ist. So wird der Text "detektivisch ermittelt" und nach und nach ins Heft eingetragen. Dabei muss sehr genau hingeschaut werden, um alles richtig abzuschreiben.

Lupen sollten in der Klasse natürlich vorhanden sein! Sie erhalten sie  sehr günstig in Ein-Euro-Läden!


3. Partnerdiktat

Wenn es schon klappt, dass zwei Schüler/innen effektiv zusammenarbeiten können, dann ist das Partnerdiktat die geeignete Diktatform. Der Text wird gegenseitig diktiert. Kleine Striche zwischen den Wortgruppen erleichtern das Diktieren. Die Lernpartner/innen dürfen sich während des Diktierens nichts vorsagen. Wohl aber darf nachgefragt werden, wenn ein Wort nicht verstanden wurde.


4. Abschreibdiktat

Einige Kinder können auch im 4.- 6. Schuljahr noch nicht richtig abschreiben. Sie schauen beim Abschreiben bei einem Wort mehrere Male in den Text, weil sie sich das ganze Wort bzw. eine Wortgruppen nicht merken können. Richtiges Abschreiben will geeübt sein und  braucht Konzentration. Deshalb ist diese Diktatform für Schüler/innen, die hier Förderbedarf haben, genau richtig..


5. Lückendiktat

Das Lückendiktat ist besonders bei Kindern beliebt, die gerne rätseln und auch nicht gerne viel schreiben. Hier müssen passende Wörter in einen Lückentext eingesetzt werden. Sie können diese für schwächere Schüler/innen vorgeben, viele Kinder  möchten das aber auch ohne Vorgabe schaffen. Der Ursprungstext sollte aber als Hilfe in der Klasse aushängen.

Der ganze Text wird nicht abgeschrieben, sondern ins Heft geklebt.


6. Schlangendiktat

In Schlangentexten sind alle Wörter ohne Satzzeichen in Großbuchstaben aneinander gereiht. Schüler/innen müssen den Text durch Satzzeichen strukturieren und in der richtigen  Groß- und Kleinschreibung ins Heft eintragen. Die Lösung ist als Aushang in der Klasse für alle zugänglich.

Sie können Tipp-Karten zur Groß- und Kleinschreibung als Hilfe bereitstellen.


7. Schütteltext

Im Schütteltext sind die Sätze des Diktattextes durcheindergeraten.

Schüler/innen müssen also die Sätze aufmerksam lesen, sie inhaltlich verstehen, um sie dann in die richtige Reihenfolge zu ordnen. Sie prägen sich die Schreibung des Textes durch ständiges nochmaliges Lesen ein und trainieren das Textverständnis. Die Lösung ist auf der Aufgabenkarte klein gedruckt zu finden.  Der Text wird nach dem Ordnen der Sätze ins Heft eingetragen.


8. Groß oder klein?

Die Groß- und Kleinschreibung bereitet Schüler/innen die meisten Probleme. Deshalb ist es wichtig, diese Problematik im Rechtschreibunterricht immer mal wieder aufzugreifen. In diesem Diktattext stehen alle Buchstaben groß, wohl aber sind die Zeichen gesetzt. Es ist also etwas leichter als der Schlangentext.


9. Arbeit mit der Diktattasche

Die Diktattasche ist ein Material aus der Grundschule und besonders für Schüler/innen geeignet, die noch nicht mit anderen Kindern zusammenarbeiten können und die noch viele Fehler machen. Der Diktatstreifen wird in die Tasche geführt. Im Fenster erscheinen die Teile des Textes gut proportioniert. Das Kind schreibt die Wörter ins Heft, schaut, ob es richtig abgeschrieben hat und macht weiter. So kann es sich den Text selbstständig diktieren und kontrollieren.


10. Fehlerdiktat

Gerne spielen Kinder auch mal den/die Lehrer/in! Diese Diktatform kommt diesem Wunsch entgegen.

Im Text sind eine bestimmt Zahl von Fehlern. Die Anzahl ist auf der Karte angegeben, die ganz klein gedruckte  Lösung ebenfalls. Die Schüler/innen müssen den Text nicht abschreiben. Durch das intensive Suchen der Fehlerwörter prägt sich die Schreibung auch ohne Abschreiben ein. Es kommt hier auf eine gute Berichtigung an. Beispiele zur Berichtigung finden sich auf der Arbeitkarte.


11. Würfeldiktat

Diese Diktatform lieben Schüler/innen, die nicht so gerne viel schreiben,  gerne mit einem/er Lernpartner/in arbeiten und die gerne spielen.

Hier wird gewürfelt und je nach Würfelzahl geschrieben. Abwechselnd werdn die gewürfelten Diktatsätze oder Wortgruppen diktiert.

Das Diktat wird nur in wichtigen Teilen geübt.


12. Dachdiktat

Auch hier kommt es auf gute Zusammenarbeit an.

Die Sätze des Texte stehen  auf beiden Seiten der Karte, die wie ein Dach zwischen den zwei  Lernpartnern/innen steht. Abwechselnd werden die Sätze diktiert und anschließend kontrolliert. Auch hier muss nicht der ganze Text geschrieben werden, es sei denn, die Kinder drehen die Dachkarte um und diktieren jetzt die Sätze des/der anderen Mitschülers/in.


13. Verkehrtherum

Schwierig, schwierig! Dennoch wagen sich einige Schüler/innen an diese Diktatform heran. Wie der Name schon sagt, es steht alles verkehrtherum auf der Karte. Nun heißt es von unten rechts nach links zu lesen und den Text ins Heft zu schreiben.

Wenn man allerdings angefangen hat, wird es immer leichter, man gewöhnt sich schnell an die neue Lesart!


14 Schnibbeldiktat

Es gibt Schüler/innen, die kriegt man nur ganz schwer ans Schreiben.

Im Schnibbeldiktat wird gar nicht geschrieben. Da macht es doch Spaß, die Satzstreifen  nur auszuschneiden und in der richtigen Reihenfolge einfach wieder ins Heft zu kleben. Durch das intensive Lesen und Sortieren  der Sätze prägt sich die Schreibung ein.

Ich habe diese Diktatform immer angeboten. Schreibfaule Kinder gibt es nun mal. Nur wenn etwas Spaß macht, lernt man etwas.

Wenn jemand allerdingas immer diese Diktatform wählt, würde ich eingreifen.


15. Schüttelsätze

Diese Diktatform ist die schwierigste Art, einen Text zu  üben und  sollte nur von absoluten Rätselfreunden bearbeitet werden. Alle Wörter der Sätze durcheinandergeraten, nur die Reihenfolge der Sätze im Text stimmt.

Wer nicht weiterkommt, sollte zum Ausgangstext gehen und sich Hilfe holen. Gleichwohl hatten immer viele Schüler/innen Spaß an diese Diktatform, wenn sie es geschafft hatten.

16. Dosendiktat

Bei Dosendiktaten werden einzelne Sätze auf Satzstreifen (Karton, Tonpapier) geschrieben und in Dosen (Briefumschläge) gesteckt. Die Schüler/innen nehmen die Streifen heraus und legen sie in der richtigen Reihenfolge vor sich auf den Tisch.  Danach diktiert sich das Kind den Text selbst: Es merkt sich den ersten Satz oder Teile des Satzes, dreht den Strefen um, schreibt, dreht den Streifen zur Kontrolle wieder um, berichtigt gegebenenfalls und macht so weiter, bis der ganze Text im Heft steht.

17. Das Lügendiktat

Beim Lügendiktat muss das Kind entscheiden, ob sich im Inhalt eine Lüge versteckt oder Wörter nicht hineingehören. Es dient also besonders zur Inhaltserfassung. Diese hat für die Rechtschreibung keine geringe Bedeutung.


Bei allen Diktatformen ist es  wichtig, dass Schüler/innen ihre  fertige Arbeit kontrollieren und berichtigen.

 

Das können Sie mit den Ausgangstexten im Aushang in der Klasse machen, man  kann aber auch  einige Kopien auf das Pult legen, die etwas schwächere Schüler/innen mit auf ihren Platz nehmen können. Achten Sie aber darauf, dass die Ausgangstexte grundsätzlich nicht mit auf den Platz genommen werden. Sonst kann es Ihnen  passieren, dass Schüler/innen die Diktatform nicht durchführen, weil sie ihnen zu schwierig erscheint und sie sich dann sofort den Text mitnehmen. Deshalb habe ich die Ausgangstexte immer gut sichtbar hinten in der Klasse an die Pinnwand geheftet, um zu sehen, dass auch ja keiner fehlt.

Ein weiterer Grundsatz, der für alle Schüler/innen gilt: " Wenn ich  mich einmal entschieden haben, mache ich meine Arbeit auch zu  Ende."

Sie kennen das auch:  Ein Kind kommt nicht weiter, weil es sich immer wieder für eine andere Arbeit entscheidet. Ist ihm etwas zu schwer, gibt es auf und holt sich eine andere Übung.

In diesem Falle sollten Sie intervenieren und dem Kind klar machen, dass es sich ja Hilfe holen kann, z. B. ab und zu zum Text zu gehen, um zu schauen, ob es richtig ist oder wie es weitergeht.

Es gibt auch Kinder, die sich überschätzen oder diejenigen, die es sich gerne leicht machen. Auch da sollten Sie sich einschalten und Ratschläge geben.

 

Mit diesen Diktatformen haben  wir ein  winterliches  Übungsbüfett mit 8 Diktattexten für Sie vorbereitet. Lehrer/innenkommentar