Tandem Leseförderung


In all den Jahren, in denen ich als Hauptschullehrerin tätig war, lag mir die Leseförderung besonders am Herzen.

Mir sind in der Sekundarstufe viele Schülerinnen und Schüler begegnet, die wenig oder überhaupt nicht  lasen, weil sie nicht vernünftig lesen konnten.

Was heißt das?

Solche Schülerinnen und Schüler lesen sehr langsam, teilweise dekodieren sie noch unbekannte Wörter, sie lesen etwas, was da gar nicht steht, sie überspringen Zeilen, sie lesen, ohne den Lesefehler zu berichtigen, am Ende haben sie keine Lust mehr und hören einfach auf zu lesen, weil sie den Inhalt nicht verstehen. Verständlich! Wer liest schon gerne, wenn es mühevoll ist und zusätzlich noch sinnlos, weil der Inhalt des Textes nicht verstanden wird.

Wir Lehrerinnen und Lehrer wundern uns dann, wenn wir zum Text inhaltliche Fragen stellen und diese Kinder nicht antworten können und uns nur stumm anschauen. Häufig wird dieses Verhalten mit Nichtaufpassen oder Nichtwollen verwechselt.

Das laute Vorlesen von Texten aus Büchern im Fachunterricht, was immer noch praktiziert wird, lässt solche Kinder alleine. Sie haben Angst dranzukommen, wissen oft nicht, wo gerade gelesen wird, stocken im unbekannten Text, sodass sich andere langweilen, unruhig werden oder gar lachen. Viele Lehrerinnen oder Lehrer verschonen dann schlechte Leserinnen und Leser, um sie nicht zu blamieren. Der Teufelskreis ist vorgezeichtnet.

Ein großes Problem war in meiner Zeit, dass Nicht-Deutschlehrerinnen und Nicht-Deutschlehrer vom  Lesenlernen, dem Lesevorgang, von Lesekompetenzen,  Lesemethoden und Leseförderung keine Ahnung hatten, dennoch diesbezüglich lapidar im Lehrerzimmer zu verstehen gaben: " Die kapieren ja nichts, nicht mal einfachste Texte!". Uns Deutschlehrer/innen wurde das dann angelastet.

Inzwischen hat man Lesen und Leseförderung in alle Studienfächer integriert, so dass alle Fachlehrer/innen zumindest etwas davon gehört haben.

Lesen als Basiskompetenz ist inzwischen in den Schulen angekommen. Dennoch beobachte ich, dass Leseförderung immer noch nicht gezielt genug an Schulen installiert wird. Fatal, denn die Zeit, die man früh (5./6. Klasse) in Leseförderung auch in der Sekundarstufe investiert, holt man später ab Klasse 7 an Lesefreude, Leseverständnis, an Fachwissen und Erkennen von Zusammenhängen wieder heraus.

Hinzu kommt, dass Lesemethoden wie das Lautlese-Tandem von Deuschlehrerinnen oder Deutschlehrern eingeführt und trainiert wird, dennoch lediglich Bestandteil des Deutschunterrichts bleibt. In einem Experteninterview begründet es Frau Prof. Dr. Rosebrock so: " ... es wäre unheimlich sinnvoll, die Lautlese-Tandems als eine Art Standardverfahren einzuführen: Immer wenn ich einen Text (Egal in welchem Unterrichtsfach!) zu lesen habe, gebe ich ihn in die Tandems. Das hat den großen Vorteil, dass tatsächlich immer alle in der Klasse den Text gelesen haben."

Ich möchte die Lesemethode hier nicht weiter erklären, dass machen andere besser:

Die Initiative Bildung durch Sprache und Schrift (BISS) hat 2016 eine Broschüre von Frau Prof. Dr. Rosebrock  herausgebracht, die ich nur empfehlen kann.

Auf der Suche nach Methoden stieß ich schon vor 10 Jahren auf das Lautlese-Konzept.

In meiner Stammgruppe 7/8 arbeiteten die Kinder sehr gerne zusammen, insbesondere in Lernpartnerschaften.

Das Lautleseverfahren kam mir da sehr entgegen, weil ein Text hier mit einer Lernpartnerin oder einem Lernpartner im Tandem gelesen wird.

Ich entwickelte daher in Anlehnung an andere Lesefächer einen Tandem-Lesefächer. Er gibt Schritt für Schritt vor, wie man einen Text sinnvoll liest, zu zweit liest und ihn auch wirklich versteht. Das dazu gehördende Arbeitsblatt greift alle Leseschritte auf und dokumentiert sie. Insofern ist dieser Tandem-Lesefächer eine Weiterentwicklung dieser Laut-Lesemethode.

Bevor Sie den Fächer einsetzen, sollten Sie Lesepartnerschaften bilden und die für einen gewissen Zeitraum auch schriftlich auf einem Plakat in der Klasse festhalten. Sobald ein Text im Tandem gelesen werden soll, setzen sich Schülerinnen und Schüler entsprechend der Partnerschaften zusammen. So erreichen Sie auch, dass diese Lesemethode in anderen Fächern angewandt wird, weil die Fachlehrerinnen und Fachlehrer keine Lesepartnerschaften mehr bilden müssen. Die Lesepartnerinnen und Lesepartner, ich habe sie auch oft Lesefreundschaften genannt,  sind eingeübt und wissen was zu tun ist.

Zudem sollten Schülerinnen und Schüler vor dem Einsatz des Fächers Lesestrategien kennen, z.B. dass es leichter ist, einen fremden Text zu verstehen, wenn man sich nach dem Überfliegen des Textes (Bilder und Überschrift) überlegt, was man schon vom Thema des Textes weiß oder was man schon mal irgendwo gehört hat. Wichtig sind auch Textsortenkenntnisse. Klar versteht man einen Text besser, wenn man zwischen Märchen, Sage, Fabel, normale Geschichte oder Zeitungsbericht unterscheiden kann..

Vor der Einführung des Fächers sollten Sie sich also Zeit für das Thema "Lesen"  und "Lesestrategien" nehmen.

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Lesestrategien.pdf
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Im Folgenden zeigen wir Ihnen, wie Schüler/innen beim Lesen mit dem Tandemlesefächer vorgehen.

Eine entsprechende Lesekartei zu diesem Leseverfahren  finden Sie bei uns im Shop.