Lernkultur entwickeln

Erste Voraussetzung für die Entwicklung einer guten Lernkultur ist, dass Schüler/innen mehr über das Lernen allgemein, aber insbesondere über ihr eigenes Lernen wissen. Schließlich ist die wichtigste Aufgabe, die Schüler/innen jeden Tag in Schule leisten, das Lernen. Dennoch wird das Lernen besonders in den weiterführenden Schulen kaum oder gar nicht thematisiert. Es wird nach 4 Jahren Grundschule einfach vorausgesetzt. Die meisten Schüler/innen wissen wenig über das Lernen, schon gar nicht über ihr eignes Lernen.

  • Was brauche ich um gut lernen zu können?
  • Was für ein Lerntyp bin ich?
  • In welcher Sozialform lerne ich gerne? Warum?
  • Welche Arbeitsmaterialien kommen meinem Lerntyp entgegen?
  • Wie organisiere ich mein Lernen?
  • Welche Lerntechniken/Lernstrategien gibt es?

Wenn Schüler/innen wissen, was sie zum Lernen brauchen und wie Lernen am besten funktioniert, dann lernen sie lieber und besser. Meine Erfahrung ist, dass sie sich dann auch mehr kümmern und mitdenken. Ich habe Schüler erlebt, die mir sagten, wie ich einige Übungen besser machen könnte oder wie das Spiel reibungsloser abläuft.

 

Ein weitere Punkt ist die Lernumgebung, sprich der Klassenraum. Hier müssen Kinder sich wohl fühlen, d.h. nicht, dass jeder neue Popstar an der Wand hängt oder Handys auf den Tischen liegen. Ein Klassenraum muss die Arbeit der Schüler/innen wiederspiegeln. Gelerntes wird in Postern an der Wand festgehalten, Bilder aus dem Kunstunterricht verschönern die Wände, Lexika, Atlanten, Jugendbücher, Lesekisten usw. stehen bereit, 3-4 Computer oder Laptops dürfen für Recherchen nicht fehlen und jedes Kind hat seinen Karton mit Utensilien. Es sollte Selbstlernmaterialien individuell zugeschnitten auf seine Leistungen im Klassenraum finden und Möglichkeiten der Einzelarbeit, der Partnerarbeit und der Gruppenarbeit bieten. Rückzugsecken gehören ebenso dazu wie kooperative Unterrichtsmethoden, Lernpartnerschaften, Lese- und Schreibkonferenzen und nicht zu vergessen Forscherecken und spielerische Materialien.

Kurzum: Der Klassenraum sollte viele Möglichkeiten des Miteinanders zulassen und neugierig machen auf das Lernen.

Heute spricht man von Klassenmanagement, wenn es darum geht, in einer Klasse für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Natürlich geht es nicht ohne Regeln, aber meine Erfahrung ist,  je mehr Freiheit Sie Ihren Schülern/innen geben, je mehr Sie ihnen zutrauen, desto mehr Verantwortung können Schüler/innen übernehmen, für sich, für andere, für die Arbeit und die Materialien.

Als ich anfing, meine Materialien in der Klasse zu deponieren, hörte ich Kollegen sagen: "Mein Gott, die kannst du doch nicht im Klassenraum stehen lassen, die sind doch morgen weg oder durcheinander oder zerstört". Nichts dergleichen geschah, im Gegenteil, Schüler/innen waren beeindruckt von den Materialien, weil sie spürten, wie viel Arbeit darin steckt und wie sehr sich eine Lehrperson bemüht, ihnen das Lernen leichter und interessanter zu machen. Natürlich: Wo gehobelt wird, fallen Späne! Da fehlt vielleicht eine Karteikarte oder ein Puzzleteil, das ist normal und muss ersetzt werden. Ich habe jedem/er Schüler/in ein Material zugeordnet, das er/sie verwaltet und mir Rückmeldung gab, wo etwas fehlte.

Irgendwann führte ich den sogenannten "Schulplaner" ein, ein Heft für jedes Kind, zu Beginn eines Jahres ausgeteilt und von den Eltern am Elternabend für gut befunden.

Dort waren der Stundenplan, die Adressen und Telefonnummern der unterrichtenden Lehrer/innen , ein "Verprechen an die Schule" und eine Wochenübersicht des ganzen Schuljahres enthalten. Am wichtigsten für die Schüler/innen waren aber die wöchentlichen Hausaufgabenseiten und die Zensurentabelle, für mich die wöchentlichen, später monatlichen "Nachdenkseiten".

Mit diesem Schulplaner hatte ich die Möglichkeit bei allem freien, selbstständigem Arbeiten den Kontakt zu Eltern und Kindern sehr eng zu halten. Als PDF-Datei hier zu finden.

Auch ich hatte Schüler/innen in der Klasse, die ihre Hausaufgaben vergaßen, die keine Schreibmaterialien dabei hatten, die störten oder sich nicht konzentrieren konnten. So richtete ich das Sozialcenter ein.

Jede Woche rückte ein Thema in den Fokus, am Ende der Woche überlegten wir gemeinsam, wie unser Thema, z.B. "Schulsachen in Ordnung halten", geklappt hatte und hielten das in unserem Schultimer fest. Da jedes Kind eine/n Lernpartner/in hatte, besprachen diese sich auch und schrieben sich eine Rückmeldung ins Heft.

Damit die Schüler/innen etwas schreiben konnten, gab ich ihnen positives und negavtives Verhalten vor, so fand sich so manche/r Schüler/in kleinen Rückmeldungen wieder. Eltern schauten wöchentlich hinein und dokumentierten das mit ihrer Unterschrift.

Das alles nimmt viel Zeit in Anspruch, die auch ich nur dadurch hatte, dass ich mir einfach die Zeit genommen habe, z.B. im Religionsunterricht oder im Deutschuntericht.

Nun kamen die Bonuspunkte ins Spiel. Es wurde nur gutes Verhalten honoriert durch Bonuskärtchen, die hinten im Schulplaner gesammelt wurden.  Auf dem Zeugnis konnte sich so manches Kind über eine wohlwollende Extrabemerkung freuen, etwa wie: Peter hat in diesem Halbjahr 10 Bonuskärtchen für gute Hausaufgaben gesammelt. oder Tim hat sein Verhalten in der Pause verbessert.

Weitere Materialien zur Lernkultur finden Sie in unserem Shop.

Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus meiner Arbeit. Ich kann hier nicht alles aufschreiben. Wenn Sie Fragen haben, schreiben Sie mir einfach über das Kontaktformular.